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MAX SUDHUES und JON MOSCOW im INSTITUT FÜR SKULPTURELLE PERIPHERIE

Eine raue Luft weht in Bilk. Wir berichteten letzte Woche von den knallharten Konfrontationen, die derzeit in der Gesellschaft für streitorientierte Kulturforschung stattfinden. Am westlichen Rand des Stadtteils werden derweilen im Institut für Skulpturelle Peripherie zwei Künstler systematisch der Herausforderung gestellt, in einem kleinen Raum miteinander klar zu kommen. Allerdings mit deutlich sanfteren Akzenten – hier ist eher die Harmonie als der Streit gesucht.

Seit beinahe einem Jahr lassen Friederike Schardt und Petra Albrand in regelmäßiger Abfolge zwei Künstler im Lackierraum einer Schreinerei  aneinander brizzeln und freuen sich über die Ergebnisse. Brizzeln? Ja, brizzeln: Wenn zwei künstlerische Positionen, die sich irgendwie am Rande der Bildhauerei einordnen lassen (s. der Projektname) mehr oder weniger willkürlich zusammen gebracht werden und aufeinander Bezug nehmen müssen, dann gibt es Chancen, dass es brizzelt. Ich schätze, dass Elektronen, Billardkugeln und Bienen brizzeln. Sowie Künstler brizzeln, wenn sie in einem Raum von gefühlten 30m² eingesperrt werden…

Jon Moscow und Max Suedhues sind die zwei aktuellen Brizzler vom Dienst und, so viel sei vorweggenommen, ihre forcierte Mitbewohnerschaft hat sich als sehr glücklich erwiesen. Ich weiß nicht, ob die zwei schon zuvor zusammen gearbeitet haben, aber es ist ihnen gelungen, einen Raum zu kreieren, der mal von einer harmonischen Verschmelzung, mal von einer folgenreichen Kollision zeugt. Hier wird die Peripherie als auswucherende, grenzenfreie und proteische Totalität definiert: Skulptur, im weitesten Sinne, von der Decke bis zum Boden, an der Wand und in der Luft. Skulptur als präpariertes Ready-Made, als raumgreifende Videoprojektion, als intimistische Installation, als stimmungsvolle Bildkonstruktion. Skulptur als subtile Okkupation der Horizontalen, der Vertikalen; Skulptur als Modulation der Fläche und des Volumens, Skulptur in Bewegung, auf der Kippe und mit Klang.

Das kleine Zimmer ist wie ein Parcours gebaut, der den Besucher regelrecht dazu zwingt, physisch aktiv zu werden. Wer hier etwas sehen will, darf sich nicht zu schade sein, um in die Knie zu gehen oder sich gegen eine Wand zu drücken. Bei der Platzierung ihrer Arbeiten, scheinen Moscow und Suedhues den potenziellen Rezipienten stets vor Auge gehabt und dessen abwesenden Körper in der Distribution der Volumen berücksichtigt zu haben. Auch wenn diese Interaktivität nicht an zentraler Stelle steht, ist die Komponente der körperlichen Einbeziehung des Betrachters hier unleugbar.

Trotz der bedrängten Inszenierung des Raums wirken die einzelnen Arbeiten jedoch leicht, fragil und luftig. Sie bestehen aus armen Materialien, die ohne Bombast assembliert wurden. Sie behaupten sich auf prekärer Weise. Mehr schlecht als recht hängen sie an Fäden und Kordeln, rotieren halbwegs um ihre eigene Achse oder stehen da, als ob sie gleich abgeholt werden wollten. Manchmal tauschen sie Gleichgewicht, technologische Perfektion und High-End-Qualität vor. Manchmal fangen sie an, eine Geschichte zu erzählen, manchmal erzählen sie einen Witz sogar zu Ende. Manchmal nehmen sie Bezug zum Raum und tun so, als ob sie irritieren wollten (diese projizierte Flamme auf der hölzernen Decke); manchmal kümmern sie sich nicht um den Raum und irritieren tatsächlich (dieses projizierte Bild von Suedhues, das wie eine Collage wirkt aber keine ist). Manchmal werden Formkorrespondenzen gesucht und gefunden, Relationen geschaffen; manchmal eben nicht. Es brizzelt eben sehr.

Weg vom individuellen Ghetto und vom Star-Kult, weg vom monografischen Modus und vom selbstverliebten Monolog, hin zu gezwungenen und zeitlichen Allianzen, zu offensiven Konfrontationen oder zu bereichernden und unerwarteten Dialogen. Das Institut für Skulpturelle Peripherie, genau wie die GSK (s. Eintrag vom 10.6) und wie MAP (als das The Chain– Konzept noch funktionierte),  hat sich für die Verknüpfung und die Verkettung entschieden. Ist das eine Tendenz?

Jon Moscow
 
3.6.2011-12.6.2011
Gladbacher Strasse 56
Samstags und sonntags 15-18 Uhr
www.institut-fuer-skulpturelle-peripherie.de