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Die Klasse Katharina Grosse bei Transmission e.V.

von Emmanuel Mir (Düsseldorf)

Der Worringer Platz gilt immer noch als laute und stinkige Verkehrsdrehscheibe in der Stadt. Mit der Verpflanzung der sog. „grünen Insel“, mitsamt Dönerbude, verbesserter Beleuchtung und neuem Pissoir (das war übrigens ein toller Wurf…), hat sich die Kommune vor ein paar Jahren darum bemüht, die dortige „Aufenthaltsqualität“ zu erhöhen. Trotz dieser halbgaren Maßnahme entspricht der unwirtliche Fleck immer noch nicht der Grunddefinition eines öffentlichen Platzes und taugt als Ort der Begegnung, des Austausches oder des Verweilens wenig.

Bis auf die Präsenz des unverwüstlichen Künstlervereins WP8 (ein Pionier an dieser Stelle) und des Glashauses, war der Worringer Platz nicht gerade der Treffpunkt der Intellektuellen und der Avantgarde. Einmalige Projekte wie die Ausstellungen in der Bauhaus-Filiale oder relativ kurzlebige Initiativen wie das Hobbypop-Museum in der alten Posthalle kamen und gingen. Und nun rollt die nächste Welle – und diese wirkt massiver, als alles, was bisher an dem Standort erlebt wurde. Daniel Fritschi hat seinen gehypten Foyer mittlerweile etabliert; ob die Kunst-Komponente allerdings immer noch eine so große Rolle spielt, ist uns nicht klar. Der Galerist Max Meyer hat sich unweit des Platzes niedergelassen und sorgt für ein konzeptuelles und minimales Gegengewicht zur Döner-Meile. Julia Stoschek, wie wir berichteten, ist zur neuen Nachbarin des WP8 geworden und macht demnächst Programm dort. Regelmäßige und intime Ausstellungen in seinem Grafik-Kabinett veranstaltet seinerseits Sebastian Riemer. Und nun das: Ein Verein namens Transmission richtet sich auf der Worringer Straße ein und bespielt eine ehemalige Halle im Hinterhof der Meyer-Galerie.

Es sind immerhin um die 20 Mitglieder, die den Verein animieren. Seine Front-Frau, Anna Czerlitzki, hat Kunstgeschichte an der Uni Düsseldorf studiert und verspürte den Drang, sich für die hiesige Kunstszene einzusetzen – eine für junge Kunsthistoriker seltene Angelegenheit. Sie trat in Kontakt mit der Klasse von Katharina Grosse aus der Kunstakademie Düsseldorf, die ihrerseits auf der Suche nach einer neuen Spielstätte war. Die vier Wände der ehrwürdigen Institution an der Eiskellerstraße waren den Studenten zu eng geworden; Möglichkeiten, mit dem Raum zu experimentieren und den akademischen Rahmen zu brechen waren da nicht vorhanden. Grosse, deren Lehre sich auf die Wahrnehmung der besonderen Eigenschaften eines Raumes und auf die Entwicklung einer adäquaten künstlerischen Reaktion konzentriert, betrachtete die vorhandenen Ateliers der Akademie als ausgeschöpft und wollte den Spielraum ihrer Schüler ausweiten. Es musste ein Ort gefunden werden, der einen eigenständigen Charakter besitzt und den junge Künstler mit neuen Problemen konfrontiert.

Die Lagerhalle auf der Worringer Straße 57 bietet eine solche Herausforderung. Zufälligerweise kamen Verein und Klasse auf diese schöne Räumlichkeit im Hinterhof der Galerie Max Meyer und waren ziemlich schnell vom Ort begeistert. Neben der großen, zentralen Halle, die von einer langen Empore bekrönt ist, befinden sich in dem Keller weitere Räume zum bespielen, die, selbstverständlich, einen ausgeprägten Charakter besitzen und nicht für jede Arbeit tauglich sind.

Nun sollen sich die Studenten mit dem genius loci auseinandersetzen. Im Rotationsprinzip  werden die Räume von Mai bis Juli besetzt; die Ergebnisse dieser ortsbezogenen Arbeit werden dann in einer Ausstellung präsentiert. Trotz einer Förderung der Kunstakademie reicht das Geld nicht ganz für die Miete. Der Verkauf kleinerer Papierarbeiten und Editionen, der am vergangenen Wochenende stattfand, sollte diese Lücke schließen – und nach Aussagen der Organisatorin verlief die Veranstaltung sogar besser als erwartet. Live-Musik, Performances und Happenings rundeten das Programm ab. Wir haben aber nur den Kuchenstand und einen Haufen sich selbst zelebrierender Bohemienanfänger erlebt – selber schuld.

Und was passiert denn, wenn Grosse und ihre Studenten wieder nach Hause einkehren? Da tritt Transmission stärker in den Vordergrund und veranstaltet seine erste Ausstellung. Angekündigt sind junge Künstler aus Warschau. Weiterhin soll der Ort als Plattform eines verstärkten Austauschs zwischen Kunstakademie und kunsthistorischem Institut der Uni Düsseldorf dienen – eine Maßnahme, die in der Stadt längst fällig war. Darauf sind wir sind besonders gespannt.