Der $hop

Ästhetische Produkte von wirklich ghiler Qualität.


BLEK #3 ist erschienen

BLEK # 3 ist ein Buch. Ein Gedanke. 17 Künstler – 17 Arbeiten. Nachdenken über Zeichnung, über Fotografie, über Reproduktion.

Blek # 3 06
linke Seite: Julius Heinemann: Zeitungszeichnungen. Kreide auf Zeitungspapier, 2011.
rechte Seite: Phillip Goldbach: Planfilm Kodak E100G. Dia-Positiv, 2013.

Die einzelnen Arbeiten sind verschieden. Im Format, in der Größe, in der Materialität, in der Motivik. Es ist schwer, BLEK # 3 durchzublättern. Die einzelnen Seiten sind geheftet. Man muss die Arbeiten halten, kann sie nicht im Ganzen sehen, will nicht knicken. Das Blättern überrascht. Von einer Zeitungsseite springt man zu einem Dia. Von einer Risografie zu einem Photogramm zu einer Skizze.

Blek # 3 01
linke Seite: Marius Glauer: Tucan. Risographie auf Chromolux 80 g, 2011.
rechte Seite: Sascha Herrmann: Wolkenphotogramme. Photogramm auf Orwo Dokumentenpapier, 2013.

Die Künstlergruppe BLEK um Alwin Lay, Sascha Herrmann und Patrick Knuchel hat ein Buch herausgegeben, das sich mit der Frage nach der Schnittstelle von Fotografie und Zeichnung auseinandersetzt. Das Buch ist in einer geringen Auflage entstanden und beinhaltet zahlreiche manuelle Fertigungen. Durch die Art der Reproduktion der Arbeiten, erhalten diese Editions-Charakter. Neben eigenen Arbeiten, präsentiert BLEK solche von Marius Glauer, Florian Rexroth, Johannes Wohnseifer, Ben van den Berghe, Wolf Konrad Roscher, Gernot Seeliger, Antje Günther, Alexander Basile & BARTO, Katharina Schmidt, Jan Hoeft, Julius Heinemann, Philipp Goldbach, Katharina Urbaniak und Moritz Wegwerth.

Blek # 3 07
Moritz Wegwerth: Konstruktion. Riesographie auf Kopierpapier. 2011.

Auf dem Cover ein Text von Friedrich Tietjen. Er denkt wörtlich über Fotografieren – also Zeichnen mit Licht – nach. Der Text stellt Einleitung und Thema. Wenn Zeichnen eine Form des Nachdenkens auf dem Papier ist, wäre Fotografie Nachdenken mit Licht. Den Arbeiten in BLEK # 3 sieht man eine ernste Auseinandersetzung mit einer konkreten Frage an, aber auch eine allgemeinere Reflexion über die Arbeit selbst.

BLEK#3-singlepages

Die Frage nach den Schnittmengen von Zeichnung und Fotografie und die Frage nach Original und Reproduktion bedeuten Nachdenken über mediale Wesenheit. Doch stellt sich jede einzelne Arbeit in diesem Buch diese Frage auf bestimmte Weise und sucht eine individuelle Antwort. Die Frage findet sich in Gedankenspielen wieder, wenn Alwin Lay ein Brikett auf Notizzetteln fotografiert, die Arbeit „Kohle auf Papier“ nennt und damit ein Mittel der Zeichnung skulptural und fotografisch inszeniert oder ganz konkret in Form von Vorskizzen zu Fotografien. An anderer Stelle dokumentiert Johannes Wohnseifer in einer Fotoserie die Abwesenheit von Zeichnungen im Himmel, als in Europa durch ein Flugverbot der Himmel rein blau und ohne Kondenstreifen blieb. Dabei liefert die Arbeit auch einen interessanten Kommentar zu Gegenwart und Gesellschaft. Und Sascha Herrmann zeichnet mit Mitteln der Fotografie. Mit einer vielschichtigen Schablone, die eine Kombination der drei klassischen Wolkengattungen darstellt, erscheint als nicht fixiertes Photogramm auf Orwo-Dokumentpapier eine Wolke, die sich mit der Zeit verzieht, wenn das Papier nachbelichtet. Dadurch verschwindet die Zeichnung. Sie ist nicht habhaft, sondern prozesshaft. Und damit dem Wetterphänomen, das sie darstellt, nicht nur ästhetisch sehr nah, sondern auch wesensverwandt.

Blek # 3 02
Johannes Wohnseifer: Dreckiger Himmel. Kontaktabzug, Digitale Ausbelichtung, 2010.
Blek # 3 04
linke Seite: Antje Günther: F 4 Phantom II. Faltung, 2009/2012.
rechte Seite: Alexander Basile & Barto: Wish you were here. Digitale Ausbelichtung und Laserdrucke auf Moleskine-Papier, 2006/2010.

Für jede Arbeit ist individuell über ein geeignetes Mittel der Reproduktion nachgedacht worden. Eine Arbeit, die im Original auf Zeitungen gezeichnet wurde, ist für das Buch auf Zeitungspapier gedruckt. Andererseits tragen viele Arbeiten von vornherein einen originalen Charakter, wenn Jan Hoeft mit Edding auf Fotografien perspektivische Überlegungen zeichnet oder Phillipp Goldbach hundert Dia-Positive einzeln belichtet und entwickelt werden. Übrigens ein schöner Gedanke, dass in diesem Fall das, was nicht fotografiert wird – also das Gehäuse der Kamera – die Zeichnung darstellt und man nichts weiter sieht, wobei alles – nämlich das Licht – dargestellt ist. Patrick Knuchels Zeichnungen von Geräten in einem Fotolabor erlangen als Offset-Drucke einen spannenden Moment der Abstraktion und bewegen sich klar innerhalb beider Fragestellungen als Druckedition.

Blek # 3 05
Jan Hoeft: Geraden und Straßen. Schwarze Tinte auf Barytpapier, 2012.

Der initiale Gedanke der Künstlergruppe war es, mit BLEK eine Plattform zu schaffen, um einen Austausch über Kunst zu verstetigen und Positionen zu vernetzen, die sie für sich als wesentlich erachten. In diesem Rahmen haben die drei Künstler seit 2010 vier Ausstellungen an verschiedenen Orten kuratiert und in dem jeweiligen Rahmen bereits kleine Publikationen ediert. Dabei scheint es den drei Künstlern vor Allem um einen Diskurs zu gehen, um eine Vernetzung, darum Bezüge herzustellen und Schnittpunkte zu diskutieren. Dieser Diskurs wird in BLEK # 3 stringent weitergeführt. Das Buch ist in gewissem Sinne eine imaginäre Ausstellung. Es trägt den ursprünglichen Gedanken weiter und vereint verschiedene Positionen, die in diesem Kontext Relevanz erhalten. Es findet eine Kommunikation statt zwischen den Arbeiten und auch mit dem Betrachter.

Blek # 3 03
Alwin Lay: Rekord (Kohle auf Papier). Pigmentdruck auf Affichenpapier, 2012.

In BLEK # 3 bleibt das gestellte Thema nicht bloßer Vorwand. Vielmehr erscheint jede Arbeit als ein Aspekt und jedes Blatt ist individuelles Nachdenken und dennoch im Ganzen konsistent. Das Buch versucht auf seine Fragestellungen keine Antwort, sondern liefert eine gelungene Anschauung für ein Nachdenken mit den Mitteln der Kunst. Es gibt einen kuratorischen Gedanken, der jedoch nicht didaktisch daherkommt, sondern selbst Teil des Nachdenkens ist, weil er sich selbst nicht in den Vordergrund spielt und die einzelnen Arbeiten auch für sich stehend funktionieren und spannende Positionen abbilden.

BLEK#3-singlepages02

http://www.youtube.com/watch?v=5DFIl7s6pJo

 

BLEK kostet zw. 60 und 80€.

Da ist sie zu haben:

www.buchhandlung-walther-koenig.de

www.ssz-sued.de

www.mottodistribution.com

www.vesselroomproject.com

www.wiels.org

www.peinture-fraiche.be

www.zinesofthezone.net

www.galeriejosephtang.com