flip_to_frontDas erste mal Tiefdenken mit Angela Fette

SOMEONE MADE A VERY DISTURBING COMMENT UNDER MY POST so lautet einer meiner Sätze die ich zu weilen als minimalistische Konzeptkunstwerke in nüchternen schwarzen Buchstaben an weißen Wänden anbringe, um so den Wahrnehmungsfokus des Publikums auf bis Dato wenig beachtete, blinde Flecken einer zunehmend kybernetisch organisierten Kultur und Welt zu richten.

Angela Fette, um die es hier heute geht, hat mir allerdings keinen verstörenden Kommentar unter einem meiner Posts platziert, und auch ich habe mich bei ihr soweit ich weiß nicht als Troll betätigt. Denoch war aber der sogenannte Druko – Twitterslang: Drunterkommentar – der Ort unserer ersten Begegnungen. Nicht unter ihren Posts in ihrer Timeline, und nicht unter meinen Posts in meiner, sondern quasi irgendwo dazwischen auf neutralem Terrain, im Facebook Feed unseres gemeinsamen Freunds Niels Betori Diehl.
Ich erwähne es weil es ganz nebenbei deutlich macht welche Kraft in diesen seltsamen Kommunikationsknotenpunkten im Netz liegt. Dort und damit auf unseren Screens sind diffuse immaterielle virtuelle Orte entstanden, an denen nicht nur Informationen geteilt werden, sondern darüber hinaus auch User und Userinnen zusammen finden und sich zu neuen morphischen Clustern weiter zu vernetzen. Man beobachtet die Kommentare der anderen, schaut wer wann was liket oder kommentiert und entdeckt darüber die Übereinstimmungen und geistigen Verwandschaften (oder – auch das kennt jeder zu genüge mittlerweile – entdeckt das Gegenteil). Information, Links, Memes, Kunst und diskrete Zeichen wie Likes und Retweets sind so zu Distinktionsmerkmalen geworden, anhand derer wir unterscheiden zwischen ‚denen‘ und uns.
Das Feld der Künste ist so zu einem genrellen Schlachtfeld der Kulturkämpfe geworden, aber von noch größerer Bedeutung sind mittleweile die Orte im Netz und in den Sozialen Netzwerken geworden, an denen auch mal härter und damit diskursiver polemisiert wird, denn gerade dort entwickeln sich aktuell die notwendigen und dringend benötigten Potentiale für eine mögliche freiheitliche Zukunft.

Dort habe ich so einige, mein Leben bereichernde User und Userinnen getroffen und kennen gelernt. Die meisten davon, sind ambivalente, nonkonformistische und deshalb spannende Leute, kritische Geister die man früher, also vor Corona und bevor der Begriff so stark geframet wurde, vielleicht einfach und durchaus wohlwollend als querdenkende Menschen beschrieben hätte – heute tut man dies aus Gründen nicht mehr. In jedem Fall sind es aber Menschen die etwas Widerständiges gegenüber dem Zeitgnössischen in sich tragen und sich entschlossen gegen eine Progressivität wehren, die zwar das Neue gerne feiert, aber nicht mehr Willens oder in der Lage ist es kritisch prüfend zu hinterfragen und es mit der Vergangenheit zu verbinden.

Angela Fette in ihrer Show ‚The beauty of capitalism‘ in der Kunshalle Lingen, 2022

Angela Fette gehört zu dieser Gruppe von Mensch. Darüber hinaus ist sie Musikerin, Autorin, Host einer Gesprächsreihe und natürlich bildende Künstlerin, eine Künstlerin die es sich erlaubt kritisch gegenüber einer Welt zu denken, in der Autonomie keinen allzu hohen Stellenwert einnimmt. Vor allem aber ist sie eine Künstlerin – und das ist doch eher selten der Fall – die keine Scheu hat diese Gedanken auch öffentlich zu machen. Als eine solche hat sie mit ‚The beauty of capitalism‘ gerade erst eine imposante Show in der Kunsthalle Lingen abgeliefert, eine Show die auch ein wenig die Ausgangsbasis für unser Gespräch bildete.
In ihrer dort gezeigten Kunst spielt sie versiert mit den Zeichen und Symbolen, welche ihren eigenen komplexen Kosmos definieren. Über ihre Werke schafft sie die entsprechenden Zugänge und Anknüpfungsangebote dorthin, verbleibt dabei aber dennoch in einer Ästhetik und Formsprache die sich das Publikum erstmal erarbeiten muss, um sich dann so gerüstet, ihrem Denken erneut auf der Metaebene annähern zu können.

Gleichzeitig – und das erscheint im Kontext aktueller Kunst-Trends doch von besonderer Bedeutung – widersteht sie erfolgreich dem Impuls ihre Anliegen plakativ und platt über ihre Kunstwerke vermitteln zu müssen, so wie es dieses Jahr in Form eines gigantischen Unfalls in Kassel zu bewundern war.

Angela Fette macht keine politische Kunst, aber sie betreibt das Kunstschaffen aus einer politischen Haltung heraus und über diesen Unterschied sowie einiges mehr haben wir uns unterhalten. Das Gespräch gibt es hier zu hören und bildet damit gleichzeitig den Auftakt zum Tiefdenken Podcast einem neuen Projekt der Perisphere. Ich bedanke mich ganz herzlich bei Angela für ihre Zeit und natürlich auch die Bereitschaft an diesem Experiment teilzunehmen.

Tiefdenken 1 – im Gespräch mit Angela Fette:

Wer dieses Experiment, vor allem aber die Arbeit dieser außergewöhnlichen Künstlerin unterstützen möchte und gleichzeitig seine Europeseten nachhaltig wertsteigernd und inflationsresistent in relevante Kunst investieren will kann das übrigens gerne hier im Shop tun.

‚The beauty of capitalism‘ in der Kunshalle Lingen, 2022

Fotocredits: Roman Mensing

flip_to_frontNBDBKP, TEIL II: IM GESPRÄCH MIT NIELS BETORI DIEHL

Getreu dem Motto Ladies first, hatte ich vergangenes Jahre zu erst Barbara K. Prokop den weiblichen Part des NBDBKP Duos zu Gast. Herausgekommen ist dabei ein ganz wunderbares Interview an das ich immer noch gerne denke.
Und weil hier in der perisphere alles ganz langsam geht, wir eh nicht primär für die Gegenwart, sondern vor allem immer für die uns Nachfolgenden, die Zukunft und die Ewigkeit – so viel Pathos muss sein – arbeiten, kommt nun ganz in Ruhe, aber immer noch rechtzeitig zum morgen anstehenden Midterm Massaker Wahlen in den USA das Gespräch mit Niels Betori Diehl, Barbaras dynamischem Partner on fire.

Continue readingflip_to_frontNBDBKP, TEIL II: IM GESPRÄCH MIT NIELS BETORI DIEHL“

flip_to_frontDER GRÜNE WASCHLAPPEN

Ein neues ästhetisches Produkt ist ab jetzt im Shop erhältlich: DER GRÜNE WASCHLAPPEN von Florian Kuhlmann ist Teil einer Werkserie die hier und jetzt den ‚Kritischen Kapitalismus‘ begründet.

Zum Kontext der Arbeit:

Seit einiger Zeit wird unser Leben von tiefgreifenden Krisen begleitet und von Feinden bedroht. Mal ist es ein unsichtbares Virus, Mal der Krieg aus dem Osten und es ist anzunehmen, dass Weitere folgen werden. Die Reaktionen darauf ähneln sich teilweise in erstaunlicher Weise. Solidarität, Zusammenhalt und Verzicht spiele eine wichtige Rolle im politischen Diskurs. Und immer geht es auch um die Körper. Während Corona wuchsen vor den Zoom Bildschirmen die Haare immer länger, nun soll es im kommenden Winter um die Frage nach der Reinigung des ganzen Körpers gehen.

Mich fasziniert das Thema der Körperpflege, eventuell auch weil ich ein Mensch bin der gerne zum Friseur geht und ebenso gerne warm duscht. Die Möglichkeit zum Duschen in Kombination mit Heizungen verstehe als wichtige gesellschaftliche Errungenschaft und Basis für ein gut gelingendes Leben in Mitteleuropa.

Gleichzeitig halte ich Körperpflege für eine ganz zentrales Element des sozialen Miteinander, denn nichts wirkt so abstoßend irritierend wie schlechter Geruch.

„Der grüne Waschlappen“ ist eine Arbeit für Menschen mit ästhetischem und politischem Bewusstsein die Körperpflege und Wärme nicht als Luxusgut für einige Gutbetuchte, sondern als Bestandteil eines zivilisierten, metamodernen Lebens verstehen und sich ggf auch bei staatlich verordneten 19 Grad Raumtemperatur gerne daran erinnern möchten was Zivilisation bedeutet.

Fineart Digital Druck, 70x100cm